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Netto-Null-Flächenverbrauch bis 2050: Warum Brachflächen der Schlüssel sind

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Der tägliche Flächenverbrauch für Siedlung und Verkehr beträgt in Deutschland derzeit rund 56 Hektar - das entspricht etwa 220 km² pro Jahr. Um das politische und gesellschaftliche Ziel zu erreichen, die Netto-Null-Flächenverbrauch bis 2050, ist ein grundlegender Strategiewechsel erforderlich: weg von der Neuversiegelung von Flächen und hin zur intelligenten Wiederverwendung von bereits erschlossenen Flächen. Genau hier rücken Brachflächen als Eckpfeiler einer nachhaltigen Stadt- und Infrastrukturentwicklung in den Fokus.

Als Teil der SIERA Akademie - Impact Webinare, Im Mittelpunkt der Diskussionen am 10. Februar 2026 stand die Frage, wie Brachflächen trotz Kontamination, geotechnischer Risiken, Anforderungen an die Biodiversität, Komplexität der Vorschriften und Kostenunsicherheiten erfolgreich revitalisiert werden können. Die Kernbotschaft war klar: Durch strukturierte Umwelttechnik, Mit einer integrierten Planung und interdisziplinärem Fachwissen können Industriebrachen sicher, vorschriftsmäßig und wirtschaftlich tragfähig entwickelt werden - ganz im Sinne der Technik für eine bessere Zukunft.

Was sind Brachflächen?

Der Deutsche Brachflächenverband (DEBV) definiert Brachflächen als:

“Vormals genutztes Land, mit oder ohne Gebäude oder Strukturen, dessen Neuentwicklung durch das mögliche Vorhandensein von Schadstoffen, bestehenden Gebäuden oder anderen Belastungen behindert werden kann und das materielle oder immaterielle Investitionen für eine neue Entwicklung erfordert.”

In Deutschland gibt es schätzungsweise rund 150.000 Hektar Industriebrachen. Diese Standorte sind in der Regel bereits durch Infrastrukturen erschlossen und planungsrechtlich abgesichert und bieten eine große Chance für eine nachhaltige Landnutzungsstrategie - vorausgesetzt, die Risiken werden frühzeitig erkannt und professionell gemanagt.

Warum Brachflächen für eine Netto-Null-Lösung bis 2050 unerlässlich sind

Eine nachhaltige Landnutzungspolitik basiert auf drei Grundprinzipien:

  1. Reduzierung des täglichen Landverbrauchs auf unter 30 Hektar bis 2030
  2. Neue Flächenversiegelung vermeiden durch innere Entwicklung
  3. Aktivierung bestehender Landreserven durch Brachflächenrevitalisierung

Brachflächen leisten einen direkten Beitrag zu:

  • Ressourceneffizienz und die Kreislaufwirtschaft
  • Verringerung der CO₂-Emissionen
  • Schutz der biologischen Vielfalt und der Freiräume
  • Stärkung der städtischen Nachhaltigkeit

Typische Herausforderungen bei der Brachflächenentwicklung

Die Entwicklung von Brachflächen ist komplex. Die SIERA Academy Impact Webinare vier zentrale Herausforderungen identifiziert:

1. Kontaminierte Standorte, bestehende Strukturen und geotechnische Risiken

Zuvor genutzte Standorte weisen häufig auf:

  • Verunreinigungen in Boden und Grundwasser
  • Heterogenes Füllmaterial
  • Unterirdische Infrastruktur
  • Verdacht auf nicht explodierte Sprengkörper oder bergbaubedingte Schäden

Lösung: Red-Flag Due Diligence und Phase I Due Diligence. Durch strukturierte Desktop-Studien werden Risiken in einem frühen Stadium identifiziert - von der Lage des Standorts und Altlasten bis hin zu Hydrologie und Fundamentbedingungen. In diesem Zusammenhang, SIERA-Mitgliedsunternehmen ihr Fachwissen bei der Erstbewertung von gebäudebezogenen Schadstoffen einbringen.

2. Biodiversität, Natur und Klimaschutz

Brachliegende Flächen entwickeln sich oft zu wertvollen Lebensräumen, z. B:

  • Biotope mit hohem ökologischen Wert
  • Lebensräume von geschützten Arten wie Reptilien, Vögeln oder Fledermäusen
  • Standorte innerhalb von Landschaftsschutzgebieten oder Trinkwasserschutzzonen

Lösung: Umwelt-Due-Diligence-Phase I in Kombination mit einer frühzeitigen Abstimmung mit den Regulierungsbehörden. Durch eine strukturierte Bau- und Logistikplanung können ökologische Anforderungen systematisch integriert werden - ein Ansatz, der u.a. von M&P Ingenieurgesellschaft mbH - Mitglied der SIERA Alliance in Sanierungs- und Artenschutzkonzepten.

3. Planungsrecht und Regulierungskomplexität

Planungsbezogene Herausforderungen ergeben sich aus:

  • Flächennutzungs- und Entwicklungspläne
  • Restriktive Planungsvorschriften
  • Landnutzungsrechte, Versorgungskorridore oder Anforderungen an den Denkmalschutz

Lösung: Regulatory Engineering. Fachplanung kombiniert mit frühzeitiger Abstimmung mit Behörden, Dienstbarkeitsvereinbarungen und gezielten Ausnahmegenehmigungen schafft Planungssicherheit. Die Beiträge der Mitglieder der SIERA Alliance zeigen, wie eine Entwicklungsplanung erstellt werden kann, die mit den Genehmigungsanforderungen voll und ganz übereinstimmt.

4. Kostenungewissheit und Abfallmanagement

Unbekannte Abfallzusammensetzungen erschweren:

  • Vorhersage der Aushubmengen
  • Schätzung der Entsorgungskosten
  • Frühzeitige Budgetplanung

Lösung: Kostensichere Planungskonzepte, die Folgendes beinhalten:

  • Szenario-basierte Kostenschätzungen
  • Optimiertes Boden- und Abfallmanagement
  • Cut-and-Fill-Berechnungen
  • Sanierungs- und Rückbauplanung

Dieser integrierte Ansatz erhöht die Kostensicherheit erheblich und reduziert die Projektrisiken insgesamt.

Projektbeispiel: Sichere Brachflächenrevitalisierung für einen Logistikpark

Ein während des Webinars vorgestelltes Projekt zeigt, wie ein zuvor genutztes Gelände erfolgreich für die Entwicklung eines Logistikparks vorbereitet wurde. Typische Brachflächenrisiken - bestehende Strukturen, Altlasten, unterirdische Infrastruktur und Umweltschutzanforderungen - wurden durch eine Due Diligence frühzeitig erkannt.

Durch eine strukturierte Planung, ein optimiertes Bodenmanagement und rechtssichere Genehmigungsstrategien wurde das Projekt sicher, wirtschaftlich und unter Einhaltung aller Vorschriften umgesetzt. Das Ergebnis: eine nachhaltige Sanierung im Einklang mit dem Ziel der Netto-Null-Flächenverbrauch bis 2050.

SIERA-Allianz: Integrierte Umwelttechnik für echte Wirkung

Die SIERA-Bündnis bringt zusammen 14 Ingenieurbüros in ein integriertes Ökosystem von umwelttechnischem Fachwissen. Gemeinsam können die SIERA-Mitgliedsunternehmen decken wichtige Bereiche ab, darunter:

  • Nachhaltige Infrastruktur
  • Urbane Nachhaltigkeit
  • Klimamaßnahmen und Emissionsminderung
  • Biodiversität und Ökosysteme
  • Kreislaufwirtschaft
  • Schutz von Wasser und Boden
  • Technologien für digitale Auswirkungen

Durch diese interdisziplinäre Zusammenarbeit entstehen Lösungen, die ökologische, technische und wirtschaftliche Anforderungen ganzheitlich integrieren.

Fazit: Brachflächen als Chance für eine nachhaltige Entwicklung

Der Weg zum Netto-Null-Flächenverbrauch bis 2050 führt unweigerlich durch die intelligente Revitalisierung von Brachflächen. Die Kombination aus frühzeitiger Due Diligence, integrierter Umwelttechnik, behördlicher Planung und kostensicherer Planung verwandelt komplexe, risikoreiche Standorte in zukunftsfähige Entwicklungsgebiete.

Durch ihre Impact-Webinare und reale Projektbeispiele kann die SIERA-Bündnis zeigt, wie Technik für ein besseres Morgen greifbar und effektiv in die Praxis umgesetzt werden können.

Möchtest du mehr darüber erfahren, wie Brachflächen sicher und nachhaltig entwickelt werden können? Erkunde die kommenden SIERA Akademie - Impact Webinare und Ereignisse in der EUTECH Veranstaltungskalender - powered by SIERA und werde Teil der Lösung für eine flächeneffiziente Zukunft.

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Eine Botschaft des Gründers: Florian von Tucher

Mitte der 2000er Jahre führte mich mein Engagement in der Entwicklungshilfe in einige der abgelegensten und ärmsten Regionen der Welt. 

In Nordtibet, der Mongolei und Westchina, wo ich an der Umsetzung dezentraler Abwasserreinigungssysteme beteiligt war, wurde mir klar, dass ich ein tieferes Ziel brauchte. Obwohl ich später in der Immobilienentwicklung erfolgreich war, hat mich der Wunsch, etwas zu bewirken, nie verlassen.  

Ein entscheidender Moment war, als ich von meinem Freund und Mentor, Kardinal Peter Turkson, der damals das Dikasterium für die Förderung der ganzheitlichen menschlichen Entwicklung der katholischen Kirche leitete, nach Ghana eingeladen wurde. Inzwischen ist er zum Päpstlichen Kanzler der Akademie der Wissenschaften und zum Päpstlichen Kanzler der Sozialwissenschaften ernannt worden.  

Kardinal Turkson hatte einen großen Einfluss auf mich. Seine Einladung gab mir die Möglichkeit, mir aus erster Hand ein Bild von den Entwicklungsbedürfnissen des Landes zu machen. Wir sprachen über meine Erfahrungen in China und stellten uns gemeinsam ein Entwicklungsmodell vor, das in einer Gemeinde Wurzeln schlagen und sich dann allmählich ausbreiten würde. Wir glaubten, dass kleine, strategische Schritte zu einer dauerhaften Veränderung führen können - genau wie das biblische Gleichnis vom Senfkorn, das zu etwas wächst, das viel größer ist als seine bescheidenen Anfänge. 

Kardinal Turksons unerschütterlicher Glaube an diese Vision und seine Ermutigung bildeten die Grundlage, auf der die Mustard Seed Foundation aufgebaut wurde. Seine unerschütterliche Unterstützung, Weisheit und Führung haben nicht nur den Auftrag der Stiftung, sondern auch meinen persönlichen Weg geprägt. 

Mit Unterstützung des Kardinals und des Büros für integrale menschliche Entwicklung (IHD) arbeiteten wir zunächst mit dem IHD zusammen, bevor wir die Mustard Seed Foundation als eigenständige Organisation in Deutschland gründeten. Wir hatten das Glück, von zahlreichen europäischen Spendern unterstützt zu werden, was uns daran erinnert, dass es bei unserer Mission nicht nur um individuelle Bemühungen geht, sondern um eine kollektive Wirkung. 

Die Zusammenarbeit ist ein Eckpfeiler unserer Arbeit. Wir haben uns mit Organisationen wie Caritas und Rotary International zusammengetan, um unsere Reichweite zu vergrößern. Eine unserer wirkungsvollsten Kooperationen war die mit der M&P Group, die uns ihre technischen Konzepte, die Projektüberwachung und die hochwertige technische Ausführung zur Verfügung stellt, sodass 100% der Spendengelder in die Projekte selbst fließen können. 

Eine dieser Initiativen ist die Clean Water Initiative, die in Zusammenarbeit mit der M&P Group ins Leben gerufen wurde. Im Jahr 2024 haben wir einen Brunnen in Ndoss, Senegal, fertiggestellt, der die landwirtschaftliche Effizienz deutlich verbessert und die örtliche Gemeinde stärkt. Dieses Projekt verkörpert unser Engagement für nachhaltige Lösungen - angefangen bei sauberem Wasser und dem schrittweisen Aufbau einer Infrastruktur, die eine langfristige Entwicklung unterstützt. 

Unsere Arbeit orientiert sich eng an den Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (SDGs) und konzentriert sich auf Armutsbekämpfung, wirtschaftliches Empowerment, ökologische Nachhaltigkeit und humanitäre Hilfe. Unser Modell ist einfach, aber effektiv: Wir beginnen mit einem Projekt und erweitern es Jahr für Jahr, um ein Ökosystem der Unterstützung zu schaffen. Ein Wasserbrunnen führt zu einer Schule, die wiederum zu erneuerbaren Energielösungen führt, was wiederum wirtschaftliche Möglichkeiten fördert. Mit der Zeit verändern diese Bemühungen ganze Regionen. 

Die Mustard Seed Foundation ist ein Beweis dafür, was mit einer Vision, einem starken Engagement und dem Glauben an ein Senfkorn erreicht werden kann. Doch ohne den Glauben und die Ermutigung von Kardinal Peter Turkson wäre das alles nicht möglich gewesen. Sein unerschütterlicher Glaube an unsere Mission hat mir den Mut gegeben, die Herausforderungen zu bestehen und unseren Einfluss weiter auszubauen. Während wir unsere Arbeit fortsetzen, werden wir weiterhin von der Überzeugung angetrieben, dass kleine Anfänge zu großen Ergebnissen führen können, die in den Gemeinden, denen wir dienen, Hoffnung und dauerhafte Veränderungen bewirken. Sein Glaube, seine Vision und sein Engagement für die Menschenwürde sind tief in jede unserer Initiativen eingewoben.